HistorieWasserversorgungDohrer MühleBrauchtum

Alle Texte unter Wasserversorgung, Dohrer Mühle und Brauchtum wurden zusammengestellt und
überarbeitet von Peter Bison.


DOHRER MÜHLE


Seit wann es am Standort der bis 1927 betriebenen Dohrer Mühle einen Mühlenbetrieb gab, konnte bisher nicht ermittelt werden. Laut vorhandenen Cochemer Kirchenbüchern gehörten Dohr und die Dohrer Mühle von 1691 bis 1792 zur Pfarrei St. Martin Cochem.  

Das Anwesen der Dohrer Mühle liegt in der Gemarkung Urschmitt. Sie gehörte bis ca. 1803 (Säkularisation) dem Kloster Stuben bei Bremm.

Es handelte sich um eine Bannmühle, das heißt, dass die Bauern aus bestimmten Orten, hier z.B. Dohr, Faid, Weiler und Urschmitt, dort ihr Getreide mahlen lassen mussten. Diese Regelung war eingeführt worden, um den jeweiligen Mühlen ausreichend Beschäftigung und Einkommen zu sichern, denn sie waren gegenüber den Grundherren/Besitzern abgabepflichtig.

Die Dohrer Mühle wurde über ein oberschlächtiges Wasserrad betrieben und hatte zwei Mahlwerke. Die Wasserzufuhr erfolgte über einen Mühlengraben. Einen Mühlenteich gab es nicht. Der Betrieb war also von der Wasserführung des Weiler- und Ellerbaches abhängig.

Die Mühle wurde im Rahmen der Säkularisierung von einem Ellerer Bürger erworben.

Um 1808 heiratete der Müller Peter Arenz (geb. 6.8.1776) aus der Marthentaler Mühle Margarete Zimmer von der Dohrer Mühle. Sie starb im März 1815 und hinterließ drei Kinder. Bereits im Folgejahr heiratete Peter Arenz seine zweite Ehefrau, Anna Maria Lehnen (9.9.1791), von der Schmitter Mühle. Aus dieser Ehe gingen weitere sieben Kinder hervor. Peter Arenz verstarb am 15.10.1833 im Alter von 57 Jahren. Seine Frau Anna Maria starb am 9.4.1854 an der Dohrer Mühle. Sie wurde 63 Jahre alt.
Dohrer Mühle 2
Die jüngste Tochter der Eheleute Arenz, Anna Gertrud (geb. 4.1.1831), heiratete am 8.5.1854 Johann Weinand (geb. 2.11.1826) aus Beuren, der dann die Mühle weiter betrieb. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Ihr jüngster Sohn Mathias Weinand (geb. 4.8.1860) führte den Mühlenbetrieb fort. Am 26.1.1897 heiratete er Anna Maria Schneiders aus Urschmitt. Die Eheleute Mathias und Anna Maria Weinand bekamen neun Kinder, zwei Jungen und sieben Mädchen.

Die Söhne der Weinands, Peter und Alois, erlernten noch das Müllerhandwerk. Beide legten die Meisterprüfung ab. Die Industrialisierung führte zu einem allgemeinen Mühlensterben der herkömmlichen wasser- oder windgetriebenen Mühlen, die meist auch abseits der Verkehrswege lagen. Peter schulte um und arbeitete als Verwaltungsangestellter. Alois zog es nach Nordrhein-Westfalen. Dort heiratete er in einen Mühlenbetrieb mit Viehzucht ein. Der Mühlenbetrieb auf der Dohrer Mühle im Ellerbachtal wurde 1927 eingestellt.

Das Mühlenanwesen wurde 1935 an die Preußische Staatsforstverwaltung (Sommet) verkauft. Das gesamte Inventar wurde versteigert und die Gebäude zum Abriss freigegeben. Im gleichen Jahr noch richtete der Reichsarbeitsdienst auf dem Mühlengelände eine Außenstelle ein. Man begradigte den Bachlauf, ebnete das Gelände ein und es sollten weitere Vorarbeiten für den Bau einer Straße von Eller in die Eifel nach Weiler gemacht werden. Alleine die alte Scheune blieb noch bis nach 1945 stehen und diente als „Handelsplatz“ für Geschäfte zwischen der Bevölkerung von Mosel und Eifel in der schwierigen Nachkriegszeit.

Da die Mühle zur Gemeinde Urschmitt gehörte, gingen die Bewohner hier zur Schule und in die Kirche.

Die Eheleute Mathias und Anna Maria Weinand lebten nach dem Verkauf der Mühle in Büchel.

Der heute noch zu erkennende bogenförmige Mauerrest war der Eingang zu einem Gewölbekeller, dem sogenannten Eiskeller. Darüber befanden sich noch Lager- und Vorratsräume.

Das Mühlenanwesen

Hauptgebäude mit Mühle und Wohnung, quer zum Tal stehend. Das Mühlrad befand sich in Blickrichtung Eller rechts am Gebäude, bergseitig. Ebenso bergseitig das Wirtschaftsgebäude, der „Eiskeller“ mit Lagerräumen sowie ein Bienenhaus. Der Mühlengraben floss bergseitig am Wirtschaftsgebäude vorbei und trennte Haupthaus und Eiskeller. Von ihm zweigte der Zulauf zum Mühlrad im rechten Winkel ab, während der Graben weiter talwärts wieder zum Ellerbach führte. Links vom Haupthaus, durch eine Zufahrt getrennt, befanden sich in einem Gebäude Stall, Scheune und Gerätelager. Ein „Backes“ mit Arbeitsraum und Backofen war an das Haupthaus angebaut.

Quelle: Rolf Weinand, Klotten



Spekulationen zum Zeitpunkt der Einrichtung der Dohrer Mühle 

Auszüge aus dem Buch von Carl Schorn, 1888/89
Stuben, ein adliges Nonnenkloster

„Es erwirbt 1339 einen Zehnten von den Gütern des Ritters Richard von Buch in Neef und Bremm, und zwei Wingerte im letztern Ort und in Senheim, Weinrenten zu Adelgund, Eller und Ellenz, Kornrenten zu Pollich, eine Mühle in der Ellerbach.“

„Im Laufe des 16. Jahrhunderts bleibt der Besitz des Klosters nicht nur gleich, sondern vermehrt sich durch Erwerb von Höfen zu Beuren, Cledang, Clotten, Schmitt und Senheim.“

Dann heißt es später: „Im 17 Jahrhundert kam zu den vorhandenen Lehngütern noch ein solches in Urschmitt. In dieser Gemeinde findet man heute noch Grenzsteine mit dem Hauszeichen des Klosters Stuben, das griechische Doppelkreuz.“

Auch das Kloster Stuben – 1137 von einem frommen Edelmann namens Egelolf gestiftet – war in Urschmitt begütert. Die Ortschaft „Cledang“ (Kliding) war derzeit mit Urschmitt vereint. Es gab in den Ortschaften ein kleines und ein großes Stubener Gut. Zu den Höfen gehörten 26 ha Ackerland, 51 ha Wildland und 6 ha Wiesen. Am 13. August 1807 wurden die Güter des Klosters Stuben in Urschmitt und Kliding für 1973 Taler versteigert. 1849 wurden die seit Jahrhunderten vereinigten Ortschaften Urschmitt und Kliding getrennt.

Sage vom Goldmüller: „…in der Franzosenzeit baute ein Alfer… die Dohrer Mühle.“ Nimmt man die Franzosenzeit hier mit der Anwesenheit franz. Truppen (Zerstörung Cochem und Winneburg) durch Truppen König Ludwig des 14. an, passt das mit dem Erhalt der Lehen im Kliding/Urschmitt zusammen.

Dazu passt:
In vorhandenen Cochemer Kirchenbüchern von 1691 an gehörten Dohr und die Dohrer Mühle zu St. Martin Cochem, bis 1792.  
Klaus Leyendecker: Familienbuch der Pfarrei Cochem